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Folgeerkrankungen
Parodontitis erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, diese Verbindung mag
zunächst absurd klingen, ist es aber keineswegs. Die Entzündung
des Zahnhalteapparates gilt als wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung
von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herz-infarkt und Schlaganfall. Zu diesem
Ergebnis kommen unterschiedliche Forschungsergebnisse. Die Parodontitis, an der
in Deutschland etwa 70 Prozent der Erwachsenen im Alter von 35 bis 50 Jahren
und über 80 Prozent der Senioren leiden, wird mittlerweile mit den klassischen
Risiko-faktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie erhöhte Blutfettwerte,
Bluthochdruck und Über-gewicht gleichgesetzt. Studien haben ergeben, dass
Parodontitis-Patienten ein bis 1,7-fach höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
haben können.
Doch wie kommt es zu diesem Zusammenhang?
„Man geht davon aus, dass entzündungsfördernde
Botenstoffe, die bei Parodontalerkrankungen chronisch ausgeschüttet werden, über
die Blutbahn in andere Körperregionen gelangen und so eine systemische Wirkung
entfalten“, erklärt Professor Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung
Parodontologie der Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
der Universität Würzburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Parodontologie.
Ursache für arterielle Verschlusskrankheiten wie
Herzinfarkt oder Schlaganfall – der Todesursache Nummer eins in Deutschland – sind
entzündliche Veränderungen der Gefäßinnenwände. Neben
Rauchen, Diabetes, Alkoholmissbrauch und Übergewicht wurden mittlerweile
auch chronische Entzündungen als wesentlicher Risikofaktor identifiziert. „Bei
einer unbehandelten chronischen Parodontitis gelangen permanent Bakterien aus
den vertieften Zahnfleischtaschen ins Blut. Da manche von ihnen in der Lage sind,
direkt in die Zellen der Gefäßwände einzudringen, können
sie den Ausgangspunkt einer schwerwiegenden Gefäßerkrankung bilden“,
so Professor Schlagenhauf.
Der Mund spielt generell für die Einschwemmung
von Krankheitserregern in die Blutbahn, so genannter Bakteriämien, eine
Schlüsselrolle.
Bakteriämien gelten beispielsweise als Hauptursache
für eine Endokarditis, eine infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut.
Bislang wurde allgemein angenommen, dass vor allem bei invasiven medizinischen
Eingriffen das größte Endokarditisrisiko besteht. Laut der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie (DGK) haben neuere Untersuchungen jedoch gezeigt,
dass bei 80 Prozent der Endokarditis-Patienten das Auftreten der Erkrankung in
keinem erkennbaren direkten Zusammenhang zu einem operativen Eingriff stand.
Die Bakterien müssen also auf einem anderen Weg ins Blut gelangt sein. „Es
wurde festgestellt, dass bei Menschen mit Zahnfleischerkrankungen Bakterien bereits
bei alltäglichen Aktivitäten wie dem Zähneputzen, dem Gebrauch
von Zahnseide oder dem Kauen von Nahrung ins Blut gelangen. Laut der DGK kann
daher ein schlechter Zahnstatus ein Risikofaktor für Bakteriämien und
damit für die Entstehung etwa einer Endokarditis sein. Menschen mit gesunden
Mundverhältnissen hingegen haben erwiesenermaßen seltener Bakteriämien“,
sagt Professor Georg Ertl, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I
des Universitätsklinikums Würzburg und stellvertretender Vorsitzender
der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.
Vor diesem Hintergrund kommen
neben einer gesunden Lebensführung und der Vermeidung der klassischen Risikofaktoren
einer sorgfältigen Zahnpflege und Mundhygiene sowie der Vorbeugung, Diagnostik
und Behandlung der Parodontitis eine wichtige Bedeutung auch für die Allgemeingesundheit
zu, insbesondere zur Vorbeugung von entzündlichen, vielleicht aber auch
anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Vor allem Maßnahmen wie die professionelle
Zahnreinigung und die Parodontitistherapie können wirkungsvoll dazu beitragen,
das Risiko für Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen zu verringern.
Bei Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Parodontitis stehen, ist zudem
die Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder Internisten wichtig. Individuelle Tipps
für eine effektive Zahnpflege und Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis
sowie Informationen zur Behandlung geben der Zahnarzt und sein Team.
Quelle:
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