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Category Archives for "Parodontose News"

Einfluss diätetischen Nitrats auf die allgemeine und parodontale Gesundheit

Der Nitrat-Nitrit-Stickstoffmonoxid-Stoffwechsel ist ein durch zahlreiche aktuelle Studien gut belegter und wesentlicher Bestandteil vieler Stoffwechsel-Prozesse des Körpers. Nur durch eine Überdosierung der krankhaften Bedingungen durch extreme Freisetzung von Nitraten kann es zu gesundheitsschädlichen Folgen kommen.

Während noch bis vor kurzem eine Minimierung der Nitratzufuhr durch die Nahrung empfohlen wurde, ist mittlerweile – aufgrund der erweiterten Datenlage – unstrittig, dass das mit der Nahrung aufgenommene Nitrat u.a. für die Aufrechterhaltung der Gefäßgesundheit von essentieller Bedeutung ist und darüber hinaus mag Nitrat die Ausbreitung von Entzündungen dämpfen.

So erbrachte der vermehrte Konsum nitratreichen Kopfsalats in einer Studie an zahnfleischbehandelten Nachsorgepatienten eine eindeutige Reduzierung der Zahnfleischentzündung.

Der verstärkte Verzehr nitratreichen Gemüses ist also eine sinnvolle Option in der Behandlung und Vorsorge parodontaler Erkrankungen.

Verdacht: Karies-Bakterien können Hirnblutungen und Schlaganfälle auslösen

Der Karies-Erreger Streptococcus mutans kann wohl auch die Gefäße in den Hirnarterien verletzten und damit die Entwicklung von Hirnblutungen fördern. Japanische Wissenschaftler vermuten, dass einige S.-mutans-Stämme das Bindegewebe von kleineren Blutgefäßen schädigen. Aus diesen Mikroblutungen könnten auch Schlaganfälle resultieren.

Einige Bakterien der Art Streptococcus mutans produzieren ein bindegewebsbindendes Eiweiß. Durch dieses Eiweiß wird eine lokale Entzündung ausgelöst.

Die Autoren vermuten, dass sich dieser Karies-Erreger auch im Gehirn an geschwächte Blutgefäße binden. Dadurch kann es zur Hirnblutung kommen. Die Forscher wiesen nach, dass viele Patienten mit Mikroblutungen im Gehirn 14-fach häufiger als andere Menschen Karies-Erreger im Mund haben.

Quelle: Miyatani F. et al. Relationship between Cnm- positive Streptococcus mutans and cerebral microbleeds in humans. Oral Diseases 2016; 21(7): 886-893.

Magenkrankheiten durch Helicobacter pylori – ein Fall für die Parodontitis-Therapie?

Etwa die Hälfte der erwachsenen Menschen in Deutschland ist mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori infiziert. Bei jedem Fünften kommt es im Verlauf des Lebens zu Magenbeschwerden oder zur Ausbildung von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Die vollständige, langfristige Beseitigung des Keims kann nur durch eine zusätzliche Parodontaltherapie erreicht werden.

Das erste Zeichen einer Helicobacter-Infektion ist häufig eine Entzündung der Magenschleimhaut: die akute Gastritis. Langfristig erhöht der Keim das Magenkrebsrisiko. Der weit verbreitete (Magen-) Keim kommt auch in der Mundhöhle vor. Lt. einer Studie kann er von dort für einen Rückfall nach einer erfolgreichen Behandlung sorgen.

Quelle: Ren Q. et al. Periodontal therapy as adjunctive treatment for gastric Helicobacter pylori infection. Cochrane Database Syst Rev 2016:doi 10.1002/14651858.CD007477.pub2;online am 07.02.2016

Omega-3-Fettsäuren in der Vorbeugung und Behandlung der Parodontose (Parodontitis)

Aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse belegen, dass Omega-3-Fettsäuren einen ausgeprägten entzündungshemmenden und entzündungsauflösenden Effekt auf das Zahnfleisch haben.

Sie wirken somit der Parodontose entgegen. Die Studien belegen, dass die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren mit der Nahrung die Anfälligkeit für eine Parodontose reduzieren und der Gewebezerstörung und den Knochenaufbau des Zahnhalteapparates entgegenwirken.

Im Rahmen der Parodontose-Therapie kann es sinnvoll sein, die Fettsäuren zusätzlich durch Nahrungsergänzungsmittel dem Patienten zu verabreichen.

Parodontitis und Psoriasis – gibt es einen Zusammenhang?

Entzündungen am Zahnapparat haben erhebliche Konsequenzen für eine systemische Aktivierung des Immunsystems. Ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Psoriasis ist deshalb wahrscheinlich.

Zusammenhang zwischen Parodontitis mit anderen entzündlichen Erkrankungen

Der Zusammenhang von Parodontitis mit anderen entzündlichen Erkrankungen oder Autoimmunerkrankungen wird inzwischen in vielen Studien hergestellt. Zusammenhänge werden u.a. auch bei Atherosklerose und rheumatoider Arthritis gesehen.

Auch die Autoimmunkrankheit Psoriasis (Schuppenflechte), bei der sich vermutlich eine überschießende Immunantwort gegen die eigenen Hautzellen richtet, könnte mit Parodontitis zusammenhängen. Wobei die Richtung der Beeinflussung unklar ist: Haben Psoriatiker ein höheres Parodontitisrisiko? Oder kann Parodontitis gar die Psoriasis befördern?

So zeigte eine groß angelegte Studie mit über 230.000 Patientendaten (davor über 115.000 Menschen mit chronischer Parodontitis) ein 50 % höheres Risiko für Patienten mit einer chronischen Parodontitis, eine Psoriasis zu entwickeln. Patienten, die sich einer Parodontose-Behandlung unterzogen hatten, wiesen ein deutlich niedrigeres Risiko auf, eine Psoriasis zu entwickeln.

Eine aktuelle Studie der US-amerikanischen Mayo Clinic College of Medicine bestätigte den Zusammenhang.

Hinweis:

Erfahrungen mit anderen Autoimmunerkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis) zeigen, dass die adäquate Behandlung der Parodontitis auch die korrespondierende Erkrankung positiv beeinflussen kann. Die Folgerung ist erlaubt, dass man mit einer Parodontaltherapie die Manifestation der Psoriasis verbessern kann.

Quelle: Zahnmmedizin Report 03/2017b

Erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Parodontitis-Patienten

Amerikanisches Forschungsteam untersuchte über 73.000 Frauen

BUFFALO – Ein kürzlich im Journal Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention veröffentlichter Artikel weist nun einen Zusammenhang zwischen Parodontitis und dem Risiko für eine Brustkrebserkrankung nach. Dieses Forschungsergebnis lieferten Wissenschafter der amerikanischen Universität von Buffalo um Jo L. Freudenheim, PhD.

Für ihre Studie beobachteten sie 73.737 Frauen, die an der Women’s Health Initiative Observational Study teilnahmen. Alle Frauen befanden sich in der Postmenopause und waren noch nicht an Brustkrebs erkrankt. Mehr als ein Viertel von ihnen (26,1 %) litt aber an Parodontitis.

Innerhalb eines Zeitraumes von 6,7 Jahren hatte sich die Lage wie folgt verändert: 2.124 der an Parodontitis erkrankten Frauen waren zusätzlich an Brustkrebs erkrankt. Das Gesamtrisiko für eine Erkrankung lag zu diesem Zeitpunkt bei 14 %.

Betrachtet man verschiedene Risikofaktoren, so bedeutete eine Parodontitiserkrankung und gleichzeitiges Rauchen ein 36-%-iges erhöhtes Brustkrebsrisiko. Selbst die Frauen, die nicht rauchen, haben ein 6 %-iges Erkrankungsrisiko.

Die exakten Gründe für den Zusammenhang von Parodontitis und dem Auftreten von Brustkrebs sollen in weiterführenden Studien untersucht werden.
Eine mögliche Ursache ist, dass durch die orale Entzündung Bakterien leichter in den Kreislauf gelangen und so das Brustgewebe befallen können. DT

Quelle: ZWP online

Magnesium hilft: Nüsse und dunkle Schokolade gegen Zahnverlust

Ein adäquater Magnesiumspiegel und eine entsprechende Balance von Magnesium (Mg) und Kalzium (Ca) können die Parodontose günstig beeinflussen – besonders bei erhöhter Entzündungsbereitschaft. Greifswalder Zahnmediziner empfehlen magnesiumreiche Kost – z.B. Nüsse oder schwarze Schokolade.

In einer früheren Studie war ein vermindertes Parodontose-Risiko bei einem adäquaten Magnesiumspiegel im Serum festgestellt worden. In einer Fünf-Jahres-Studie konnte diese Beobachtung bestätigt werden. Der Einfluss des Mg / Ca-Verhältnisses auf den Zahnverlust war abhängig vom Entzündungszustand der Probanden. Bei systemischer Entzündung wurde der Zahnverlust durch ein hohes Mg/ Ca verhindert.

Quelle: Meisel, P et al. Magnesium / Calcium-Verhältnis beeinflusst Attachment- und Zahnverlust im Verlauf von fünf Jahren. DG PARO-Jahrestagung 2016, Würzburg

Alternative Parodontologie-Konzepte: Grüner Tee besser als umstrittenes Triclosan

Die anti-entzündliche, antibakterielle und anti-oxidative Wirkung von grünem Tee ist inzwischen gut bekannt. Eine Zahncreme mit grünem Tee war im Vergleich zu einer herkömmlichen Fluorid-Triclosan-Zahncreme in der Lage, die Zahnfleischentzündung deutlich zu minimieren und entgiftend zu wirken.

Indische Wissenschaftler entwickelten eine Zahncreme mit grünem Tee und untersuchten deren Wirkung auf die Parodontose. Die Patienten mit chronischer Parodontitis erhielten eine parodontologische Behandlung (Zahnfleisch-Taschenreinigung und Wurzelglätten). Täglich wurde darüber hinaus mit der Zahncreme mit grünem Tee oder mit einer fluorid- und triclosanhaltigen Zahnpflege geputzt. Die klinischen Parameter (Entzündungszeichen) wurden in beiden Gruppen nachweislich verbessert. Die Entgiftungsfähigkeit stieg aber lediglich bei Probanden der Grün-Tee-Gruppe an.

Quelle: ZAHNMEDIZIN REPORT 09/2016

Prostataleiden – Parodontitis-Behandlung trägt zur Besserung bei

Eine Studie hat nun belegt, dass eine Parodontitis-Erkrankung in Zusammenhang mit Prostata-Leiden bei Männern steht. Wird die Erkrankung behandelt, so verbessern sich auch die Symptome der Prostata-Erkrankung. Die Ärzte untersuchten dazu 27 Männer ab einem Alter von 21 Jahren. Zusätzlich wurden ihnen Fragen zur Erkrankung und ihrer eigenen Wahrnehmung gestellt. 21 Männer hatten keine oder nur eine leichte Entzündung. Insgesamt zeigten 15 Anzeichen einer Entzündung.

Alle Männer wurden zusätzlich auf Parodontitis untersucht. Bei allen zeigten sich leichte bis starke Symptome dafür. Sie erhielten dahingehend Behandlungen und zeigten alle in weiteren Untersuchungen nach vier bis sechs Wochen deutliche Verbesserungen ihrer Parodontitis-Symptome. Während ihre Parodontitis behandelt wurde, erhielten sie in der gesamten Zeit jedoch keine Therapie für ihr Prostataleiden.

Bei 21 Männern sank der Level von den typischen Entzündungsmarkern (PSA) im Blut. Bei sechs Männern zeigte sich kein Unterschied. Jedoch war bei den Männern, die zuvor die höchsten Entzündungswerte zeigten, die deutlichste Verbesserung nachzuweisen. Nabil Bissada vom Case Western Reserve’s Department of Periodontics in Cleveland / Ohio und gleichzeitig einer der Hauptautoren der Studie möchte die Ergebnisse nun in einer Folgestudie bestätigen. Seine Idealvorstellung wäre, wenn eine Parodontitis-Therapie zukünftig zum Standard-Behandlungsprogramm für Prostata-Patienten gehören würde.

Quelle: ZWP online020

Wechselwirkungen: Parodontitis-Therapie verbessert auch wichtige Herz-Kreislauf-Parameter

Eine Studie der Universität Würzburg zeigt: Mit einer erfolgreichen Parodontitis-Therapie verbessern sich auch wichtige Herz-Kreislauf-Funktionen.

Dr. Yvonne Jockel-Schneider und Kollegen untersuchten die Auswirkungen einer nicht-chirurgischen anti-infektiösen Parodontitis-Therapie auf klinische Marker der Gefäß-Gesundheit: Gefäßsteifigkeit und zentraler Blutdruck.

56 Patienten mit schwerer unbehandelter Parodontitis erhielten zu Studienbeginn eine standardisierte Basisuntersuchung. Diese umfasste parodontale Parameter wie Blutung auf Sondierung, Tiefe der parodontalen Tasche, etc. Die Patienten erhielten eine gründliche Zahnfleischsäuberung, die durch die Einnahme von Antibiotika oder Placebo dreimal täglich über sieben Tage ergänzt wurde. Die mechanische Reinigung wurde im Abstand von drei Monaten wiederholt.

Anhand des erfassten, parodontalen Therapie-Erfolgs (Reduktion der Blutung auf Sondierung im Vergleich zum Ausgangswert) wurden die Patienten drei unterschiedlichen Gruppen zugeordnet: In der Gruppe „Erfolgreiche Parodontitis-Therapie“ verbesserte sich die Gefäßsteifigkeit signifikant. Die Gefäße wurden elastischer.

In den Gruppen mit unvollständiger bzw. gescheiterter Parodontitis-Therapie hingegen verschlechterten sich die Herz-Kreislauf-Werte.

Quelle: Jockel-Schneider Y et al. Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen erfolgreicher Anti-infektiöser Parodontaltherapie und Parametern der Kariovaskulären Gesundheit bei Patienten mit schwerer Parodontitis. 48. Jahrestagung der AfG, Mainz,7.-8. Januar 2016

Parodontitis und Nierenerkrankungen – Neue Studie

Eine Parodontitis kann sich bei Patienten, die an einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) leiden, negativ auf die Erkrankung und letztlich auch auf die Sterberate auswirken. Das hat eine Studie ergeben, die im Journal of Clinical Periodontology erschienen ist.

Ziel dieser Studie, die an der Universität of Birmingham durchgeführt wurde, war es, zu untersuchen, inwieweit ein Zusammenhang zwischen einer Parodontitis und der Sterblichkeit  von Patienten besteht, die an einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) der Stufe 3 bis 5 leiden.

Methoden

Die Survival-Analyse war mit Patienten, die am dritten National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES III) in den USA teilnahmen, durchgeführt worden. Das Untersucherteam verknüpfte die Beobachtungen mit den Sterblichkeitsdaten – und zwar mittels der Cox Proportional-Hazards-Regression, einer nach David Cox benannten Regressionsanalyse zur Modellierung von Überlebenszeiten. Wie alle ereigniszeitanalytischen Methoden ist sie ein Verfahren zur Schätzung des Einflusses unabhängiger Variablen auf die Dauer bis zum Eintreten von Ereignissen (“Überlebenszeit”). So wurde der Zusammenhang zwischen einer Parodontitis und der möglicherweise erhöhten Mortalität bei CKD-Probanden ermittelt.

Ergebnisse

Von den 13.784 Teilnehmern, die an der NHANES III Untersuchung teilgenommen hatten, litten 861 (6 Prozent) an einer Nierenerkrankung.
Das mediane Follow-up für diese Kohorte betrug 14,3 Jahre. Bereinigt um weitere Einflussfaktoren wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte sich eine Erhöhung der Zehn-Jahres-Gesamtmortalitätsrate für Personen mit CKD  von 32 Prozent auf 41 Prozent, wenn eine Parodontitis vergesellschaftet war.

Schlussfolgerung

Es konnte eine enger Zusammenhang zwischen einer Parodontitis und einer erhöhten Sterblichkeit bei Patienten mit CKD beobachtet werden. Ursächlich liefern chronische systemische Entzündungen, zu der auch die Parodontitis gehört, einen verstärkenden Beitrag hinsichtlich der Mortalitätsrate für Nieren-Patienten. Studienleiter Prof. Chapple erklärte das Problem der Dunkelziffer:  “Viele Patienten, die eine generalisierte Parodontitis haben, wissen dies oft gar nicht, weil sie gerade in den Anfangsstadien keine Symptome zeigen. Vielleicht beobachten sie ein paar Blutstropfen nach dem Zähneputzen. Aber dass es sich um eine schwerwiegende Erkrankung mit unter Umständen gravierenden Auswirkungen auf den gesamten Organismus handelt, ist ihnen oft nicht bekannt.”

Quelle: Association between Periodontitis and mortality in stages 3-5 Chronic Kidney Disease: NHANES III and linked mortality study, Praveen Sharma et al., Journal of Clinical Periodontology, doi:10.1111/jcpe.12502, published online 31 December 2015, abstract.

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