Wie ist der Ablauf einer Parodontosebehandlung?

 

Eine Parodontitis chronica lässt sich heute nahezu schmerzfrei und zuverlässig feststellen und behandeln.
Am Anfang der Behandlung steht die Anamnese und Diagnose.

Patienten, die in früheren Zeiten eine Parodontose-Behandlung machen ließen, werden sagen, um Gottes willen, das war eine Tortur ohne Ende. Das war und ist richtig. Früher hat man nur chirurgisch behandeln können. Man hat das Zahnfleisch teilweise weggeschnitten, man hat es abgeklappt und vieles andere mehr, da man nicht wusste, dass eigentlich Bakterien dahinter stecken.

Heute heißt das Hauptziel der Parodontose-Behandlung,  das Zahnfleisch entzündungsfrei zu bekommen und nicht die Entzündung wegzuschneiden!

Die Behandlung gliedert sich in 3 Phasen:

  • Vorbehandlungsphase
  • Hauptbehandlungsphase und
  • Nachbehandlungsphase.

Vorbehandlung

In der Vorbehandlungsphase wird der Zahnarzt Ihnen im Rahmen der Krankengeschichte eine ganze Reihe von Fragen stellen. Denn Sie und auch der Zahnarzt will wissen, warum Sie überhaupt eine Parodontose haben? Sind sie anfällig weil Sie z.B. Rauchen, weil sie fettleibig sind, weil Sie bestimmte Medikamente nehmen, weil Sie besonders viel Stress haben?

Aufgrund dieser Befragung kann der Zahnarzt im Vorhinein sagen, was Sie selber verändern können in ihrem alltäglichen Leben.

Die Zahnpflege ist natürlich ein kardinaler Faktor. Man kann nicht nur sagen 3 Mal täglich Zähne putzen, sondern man muss individuell gezeigt bekommen, was man in der Mundhöhle verbessern kann, weil jede Mundhöhle anders aussieht:

Der eine hat sehr eng-stehende Zähne, der Nächste hat Brücken, u.s.w. Die Prophylaxe-Helferin wird Ihnen im Rahmen der Vorbehandlung genau erklären, was Sie in Ihrer häuslichen Mundpflege verbessern können.

Des Weiteren wird in der Vorbehandlung eine Ausmessung gemacht. Eine Vermessung der Zahnfleischtaschen. Denn wir wollen ja wissen, ob sich die Parodontose verbessert und ob das Behandlungsergebnis ausreichend ist.

Also benötigen wir bestimme nachmessbare Parameter und das sind die Taschentiefen. Wir messen die Taschentiefen aus und können am Schluss der Behandlung feststellen, inwieweit sich die Zahnfleischtaschen verbessert haben. Dabei ist auch eine Röntgenaufnahme immer zwingend notwendig.

Hauptbehandlung

Der Bereich der Hauptbehandlung sieht heute nicht mehr chirurgisch aus. In etwa 95 – 98 % der Fälle muss nicht mehr chirurgisch gearbeitet werden. Man geht mit feinen Instrumenten in die Zahnfleischtaschen hinein und säubert sie. Es wird also nichts mehr abgeschnitten, es wird intensiv gesäubert. Natürlich benötigen Sie dazu eine kleine Betäubung.

Manche Patienten sagen mir: “Nee, Betäubung ist nicht so mein Ding”. Ohne Betäubung geht es aber nicht. Diesen Patienten kann man helfen, indem man z. B. die Hauptbehandlung im sog. Dämmerschlaf durchführt. Dabei bekommt der Patient eine Spritze in die Vene, dass kennen Sie vielleicht von der Magen- oder Darmspiegelung. Man schläft und der Zahnarzt kann dann in Ruhe die Behandlung durchführen und man wird nicht belastet.

Neben dieser Reinigung gibt es noch zwei weitere Maßnahmen, die erforderlich sind.

Wir wissen, dass die Bakterien, die sich in den Zahnfleischtaschen befinden, sog. Anaerobier sind. Das sind Bakterien, die durch Sauerstoffzufuhr zerstört werden. Und aus diesem Grunde leiten wir in die Taschen Plasma ein, also Ozon. Ozon spaltet Sauerstoff ab und zerstört die entsprechenden Bakterien.

Die zweite Maßnahme ist die Laserbehandlung. Durch den Laser verschweißt man das Zahnfleisch wieder am Zahn und tötet die Bakterien ab.

Da die Bakterien teilweise sehr aggressiv sind, reicht die reine zahnärztliche Behandlung – also die Säuberung der Zahnfleischtaschen – nicht immer aus. Deshalb machen wir in der Vorbehandlungsphase teilweise einen Keimtest, um festzustellen, welche Bakterien dahinter stecken, um dann gezielt auch medikamentös die Bakterien zu behandeln bzw. zu bekämpfen. Das können bestimmte Spüllösungen sein, bei sehr aggressiven Bakterien sind es aber teilweise auch Antibiotika, die eingesetzt werden müssen.

Was wir zusätzlich machen ist, dass wir Probiotika geben. Wir haben ein Gemisch aus Bakterien in unserer Mundhöhle, das aus krank machenden Parodontose-Bakterien aber auch aus gesunde Bakterien, die wir benötigen, besteht. Diese gesunden Bakterien führen wir dem Patienten zu. Dann werden die gesunden Bakterien die kranken Bakterien reduzieren.

Man setzt also ein ganzes Konglomerat von begleitenden Behandlungen, insbesondere zur Immunsteigerung ein.

Wir wissen, z.B. dass Ingwer – das Kumarin – die Entzündungskaskade der Parodontose unterbricht. Wir geben unseren Patienten Kumarin – also Ingwer – entsprechend, verschreiben es medikamentös, um auch direkt in diese Entzündungsprozesse einzugreifen. Das ist nur ein Beispiel von vielen immunologischen zusätzlichen Behandlungen.

Nachbehandlung

Wir wollen natürlich sehen, wie hat sich das Ganze entwickelt?

Ist es gut geworden, regeneriert das Zahnfleisch? Jeder Patient reagiert anders. Manchmal gibt es eine Wundheilstörung, manchmal nicht. In der Nachbehandlung kontrollieren wir das Zahnfleisch und wir messen es teilweise auch wieder aus, um zu schauen, ob die Zahnfleischtaschen sich entsprechend geschlossen haben.

Dann fragt man sich, war es das jetzt?

Bei einer Füllung wäre es es jetzt gewesen. Wenn man eine Füllung macht, bohrt man das Loch auf, macht was rein und dann ist es erledigt.

Eine Parodontose ist jedoch ein lebenslanger Pflegefall. Nach der Nachbehandlung schließen sich die Prophylaxe-Behandlung an, die sog. UPT-Behandlung – unterstützende Parodontitis-Therapie. Wir sehen den Patienten in regelmäßigen Abständen wieder, um zu kontrollieren, ob sich noch irgendwo eine Restentzündung befindet oder sich vielleicht eine neue Entzündung ausgebildet hat.

Diese Behandlungen müssen individuell abgestimmt werden. Man kann also nicht sagen, das machen wir alle zwei Jahre oder zwei Mal im Jahr oder drei Mal im Jahr. Wir schauen nach, welches Risiko dieser Patient hat, wie die Zähne stehen, wie das Putzverhalten ist und können dann genau feststellen, wie häufig der Patient zur Nachbehandlung und zur entsprechenden Prophylaxe-Behandlung kommen muss.

Dr. med. dent. Wolfgang H. Koch
 

Ganzheitliche ZahnMedizin, Cranio- faziale- Orthopädie, Umwelt-ZahnMedizin und Parodontologie, Dr. Koch & Partner, Herne www.praxis-dr-koch.de, Jameda Profil